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Sexualität im Alten Testament

Das AT kennt keinen vergleichbaren allgemeinen Begriff wie „Sexualität“, sondern weist eine Vielfalt von Beschreibungen auf. Hieraus ein einheitliches Bild zusammenzusetzen, ist schwierig. Allerdings wird Sexualität in der AT-Tradition gemeinhin als gute Gabe Gottes positiv gewürdigt, und zwar sowohl zweckfrei als auch mit Blick auf Fortpflanzung - und keineswegs als Unzucht aufgefasst. Es gibt im AT keine moralische Herabwürdigung, sieht man von erzwungener Sexualität, Inzest, Sodomie und Homosexualität ab. Letztere basiert aber auf einer schwierigen Textstelle aus dem Heiligkeitsgesetz (Lev 18,22), die letztlich ein Reflex auf heidnische Tempelpraktiken* sein dürfte, so dass u.a. aus diesem und einigen weiteren Gründen (wie Liebe zweier Menschen zueinander als Reflex der Liebe Gottes usw.) eine negative theologische Bewertung von Homosexualität aus heutiger Sicht überhaupt nicht in Frage kommen kann. Völlig richtig haben daher die Synoden diverser Landeskirchen den Weg für eine Segnung homosexueller Paare in einem Gottesdienst freigemacht.

* „Reflex auf heidnische Tempelpraktiken“ meint den Bereich der sog. Kultischen Prostitution. Dabei spielte das Geschlecht zunächst keine Rolle, da in diesem Bereich sowohl Männer, als auch Frauen anzutreffen waren. Dahinter steht der Grundgedanke einer Vereinigung mit dem Göttlichen, die als Vergeistigung interpretiert wurde. Nach Informationen der neueren wissenschaftlichen Literatur existierte kultische Prostitution offenbar sogar am Jerusalemer Tempel und wurde wohl erst nach dem babylonischen Exil verbannt.

Sexualität im Neuen Testament

Demgegenüber weist das NT eine restriktive Sexualethik auf. Das frühe Christentum hat außerehelichen Geschlechtsverkehr verworfen. Allerdings ist auch das differenziert zu betrachten, denn zum einen steht das Christentum auch in der Tradition des AT und kennt Sexualität als positive Gabe Gottes (es gibt keine generelle Abwertung von Sexualität im NT), zum anderen dürfte die Restriktion eher ein Reflex auf das heidnische Umfeld sein, von dem es sich abzugrenzen galt.
Kurz gesagt: Zu biblischen Zeiten wurde Sexualität nicht grundsätzlich negativ bewertet oder gar als "Unzucht" bezeichnet. Es gab aber bestimmte Grenzen, vor allem auch als Abgrenzung gegenüber dem Umfeld.
Es ist davon auszugehen, dass Jesus als Kriterium hier die Liebe anlegen würde, sprich, solange ich nicht jemanden verletze, etwas gegen den Willen des Anderen tue, lebe ich eine von Gott geschenkte, zweckfreie Gabe.