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Meditation „Brot und Wein“ (nach Theodor Glaser)

 

„Der Wein erfreut des Menschen Herz“ - so steht es in der Bibel zu lesen. Auf der Hochzeit zu Kana hat Jesus Wasser in Wein verwandelt, um einem jungen Brautpaar aus seiner ersten gesellschaftlichen Verlegenheit zu helfen und anderen Freude zu bereiten. Als Weinberg Gottes wird unsre Welt charakterisiert. „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben“ - so beschreibt Jesus sich selbst und unser Verhältnis zu ihm. In der Ewigkeit gibt es, so Jesus, von dem Gewächs des Weinstocks zu trinken.

 

Brot und Wein - uralte Zeichen; seit Menschengedenken sind das Zeichen für Gastfreundschaft und Heimat, für Leben und Liebe. Schon vor 4000 Jahren empfing der, der als Landfremder in das Wohngebiet eines Sesshaften kam, Brot und Wein als symbolhafte Erlaubnis, sich mit seinen Herden niederlassen zu dürfen in Frieden. Als der König Melchisedek von Jerusalem - eine Gestalt aus biblischer Vorzeit - den Erzvater Abraham in sein Land einließ, trug er ihm Brot und Wein entgegen, Zeichen der Nahrung und Zeichen des Festes und des Glückes. Brot und Wein gehören bis zum heutigen Tage zum Passahfest des jüdischen Volkes. Brot und Wein standen am ersten Gründonnerstag auf dem Tisch des Heiligen Mahles in einem Saal zu Jerusalem. Das war an sich nichts Besonderes. So war es an diesem Abend in jeder jüdischen Familie. Aber daraus wurde etwas Besonderes, als Jesus das Brot und den Kelch nahm, segnete, dankte und sprach: „Das ist mein Leib, das ist mein Blut.“

 

Jesus lässt es uns gegenüber nicht bei Worten bewenden. Er spricht zu uns auch durch Taten, Zeichen und Symbole. Wir haben ja nicht nur zwei Ohren und ein Gehirn, wir haben Augen und einen Mund, Geschmacks- und Geruchsorgane. Er lässt uns nicht nur hören und denken, sondern auch schmecken und sehen, wie freundlich er ist.

 

Verständliche Zeichen wählt er aus, die auf ihn zeigen, erinnernd zu seinem Gedächtnis. So wie das Brot gebrochen wird und verzehrt, so wie die Trauben in der Kelter gepresst werden und ihre Gestalt verlieren, so hat er sich verzehrt vor Liebe, so wurde er zerbrochen am Kreuz. Rotwein war damals im Kelch, Symbol des Blutes, für euch gegeben und vergossen zur Vergebung der Sünden.

 

Mehr noch: Brot und Wein stehen für ihn selbst, den wir zu uns nehmen. In, mit und unter Brot und Wein, wie die lutherischen Väter sagten, kommt er uns nahe; so können wir ihn uns sozusagen einverleiben. Was ich gegessen und getrunken habe, ist ganz in mich eingegangen. So nehme ich auch Christus ganz in mich auf. So ist er bei uns alle Tage bis an der Welt Ende. So bringt er uns einander nahe, wenn wir an einem Tisch zusammenkommen, von einem Brot essen und aus einem Kelch trinken.

 

Das bleibt nicht ohne Folgen: Wir dürfen beispielsweise die Erde nicht mehr verderben, auf der Brot und Wein wachsen; wir werden befreit, anders zu leben; wir werden hellhörig und hellsehend für das Leid unsrer Nächsten und Fernsten, der Hungernden und Unterdrückten. Über dem Lamm, das der Welt Sünde trägt, rückt uns die Welt nahe, die nach Versöhnung und Frieden schreit. Vergebung, Versöhnung und Frieden will Christus, der Gastgeber, schenken.

 

Wer das nicht fassen kann - letztlich ist das Geheimnis des Glaubens nie zu fassen -, der soll sich trotzdem nicht abschrecken lassen. Er möge klein anfangen und sich sagen: Auch ich bin eingeladen. Auch mich möchte Christus in seiner Gemeinschaft haben. Seiner Einladung will ich folgen.